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Des Sommers Zärtlichkeit
streicht durch die Birken,
die raschelnd
mir was flüstern wollen. 

Die Flut der Sonne streicht
brennend mir ums Haar,
ich spüre eine Kraft,
wissend. 

Der Wolken schlingen
greifen mir ans Herz,
Unendlichkeit
ihr Sein bestimmt.
                 
Des Daseins Tosen tönt
so fort und fort,
verstreicht die Zeit,
die mich umgibt.
                                                                  Wie strahlt das Licht
                das kraftvoll
wie des Lebens Wurzel
 tief in meiner Seele ist.
                                                                                                  
Text: © Christine Meyer                                                           Bild: ©  Birgit Schmidt













                                             















           Verzerrt durch Raum und Zeit
spüre ich ein Seufzen
und höre deine Stimme,
die den schwarzen Vogel ruft,
am Fenster zur Unendlichkeit 

Schon schwebt er sanft herein,
läßt sich bei dir nieder
und schaut dich wartend an
Du nickst ihm dankbar zu
und fühlst dich nicht allein. 

Dein Tod kommt ohne Schmerzen,
ich seh dich darauf warten
und deinen Blick zurück.
Der Zeitpunkt paßt,
du gehst mit leichtem Herzen. 

Ich hebe noch zum Gruß die Hand,
hör dein erlöstes Lachen.
Du fliegst an mir vorbei
und folgst jetzt deiner Lebensspur
in ein anderes Land.


© Christine Meyer

Bild: © Birgit Schmidt















Neulich, als wieder alles zuviel war,
und Schatten der Verganhenheit
mich zu erwürgen drohten,
hatte ich die glänzende Idee,
sie in Weckgläser einzusperren
und sauber beschriftet
nebeneinander im Regal zu lagern. 

Seitdem geht es mir viel besser.
Und je voller das Regal wird,
desto leichter fühle ich mich.
Manchmal tanze ich ganz wild
zu lauter Musik vor dem Regal
und strecke den eingesperrten Fratzen
die Zunge raus. 

Das ist natürlich keine Lösung.
Auf Dauer versaut der Anblick
von soviel Unglück das Ambiente.
Vielleicht sollte ich sie einfach
zum nächsten Sperrmüll
an die Straße stellen.

© Christine Meyer















Wenn ich meine
Sprachlosigkeit nicht überwinde
wer könnte mir dann zuhören 

Wenn ich mich
nicht zeige
wer könnte mich dann wahrnehmen 

Wenn ich mich
selbst nicht fühle
wer sollte dann Gefühle für mich haben 

Wenn ich mich
selbst loslasse
wer sollte mich dann festhalten 

Wenn ich meine
Angst nicht zulasse
wie kann ich dann noch leben 

Wenn ich nicht
nein sage oder ja
wird es niemand für mich tun

© Christine Meyer
       
                              
                                    Bild: © Birgit Schmidt















Gestern hab' ich ein Tierchen entdeckt,
das sonnte im tiefen Gras.
Es hatte den Panzer verlassen,
die Fühler ganz entspannt.
Beinah' wär ich draufgetreten,
da schaute es ganz erschreckt. 

Von einer Sekunde zur anderen
spürte das Tier die Gefahr,
war einen Moment wie erstarrt
und zog sich blitzschnell zurück. 

Vom Tier war nichts mehr zu sehen,
einzig sein Schneckenhaus.
Ich beugte mich zu ihm runter,
nahm's zaghaft in die Hand,
suchte nach Lebenszeichen
und sprach mein Bedauern aus. 

Aus dem Panzer fiel eine Träne,
nun sah ich genauer hin.
Wo vorher die Fühler gewesen,
da saßen jetzt Säbelzähne.

© Christine Meyer














Geboren 1962 in Hamburg, in Norderstedt lebend. Nach der Ausbildung zur Industrie-Fotografin arbeite ich zwischenzeitlich als Chefassistentin im Büro. Meine Lyrik ist Ausdruck der Suche nach mir selbst und die Überwindung meiner Sprachlosigkeit.


      stine@wtnet.de